Inhalt:
Was ist Sexualität ?
Sexuelle Orientierung
Kein Fall von Verführung
So entsteht Homosexualität nicht![]()
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Was ist Sexualität ?
Sexualität ist nicht nur Geschlechtsverkehr, hat nicht nur mit den Geschlechtsteilen zu tun, sondern umfasst viel mehr und steht in enger Verbindung mit anderen Lebensäußerungen und Lebensbereichen. Der Alltagssprachgebrauch "Sex" und die Sexindustrie führen und nur einen kleinen Ausschnitt von Sexualität vor und machen uns glauben, das sei "die" Sexualität.
Sexualität ist eine allgemeine Lebensenergie, die in allen Phasen des menschlichen Lebens körperlich, geistig-seelisch und sozial wirksam ist. Sexualität hat natürlich etwas zu tun mit Lust: Lust kann erfahren werden am eigenen und anderen Körper als Träger der Sinne und Gefühle und als wichtige Voraussetzung für Lebenslust. Sie wird aber auch vielfältig gebremst durch Scham und Gefühllosigkeit, Langeweile und Gewalt.
Sexualität hat etwas zu tun mit Selbstwertgefühl, mit Identität: Mit der Möglichkeit, sich selbst als Mann, Frau, Junge oder Mädchen als wichtig zu erfahren, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln, sich selbst und auch den eigenen Körper zu lieben.
Sexualität ist eine Form des Kontakts: In Beziehung zu anderen kann Geborgenheit und Zärtlichkeit gegeben und erfahren werden als gelernte Gewissheit, dass jemand wichtig ist und ihm andere etwas bedeuten. Aber es werden auch Isolation und Beziehungslosigkeit erfahren als Folge von Kontaktangst oder unbefriedigenden sexuellen Erlebnissen.
Wie sich Sexualität in diesen verschiedenen Aspekten entwickelt, ist sehr stark abhängig von gesellschaftlichen, kulturellen Einflüssen. Das hängt vor allen von der Erziehung ab, zu der Eltern viel beitragen.
Sexuelle Orientierung
Verschiedene Menschen haben verschiedene sexuelle Orientierungen. Das ist ganz normal. Kein Mensch kann sich seine sexuelle Orientierung aussuchen.
Viele Faktoren wirken gemeinsam: Über die Bedingungen, durch die eine hetero- oder homosexuelle Orientierung geformt wird, weiß man heute hauptsächlich zweierlei: Nämlich, dass sie bereits in den ersten Lebensjahren dauerhaft geprägt wird, und dass bisher praktisch alle Versuche, eine vermutete Ursache wissenschaftlich zu beweisen, gescheitert sind: Man vermutet jedoch ein genetisches Phänomen - eine Veränderung an der Hypophyse. Die sexuelle Orientierung selbst ist also keine Frage der Erziehung, wohl aber das Ausmaß, in dem sich körperliches, seelisches, soziales und damit auch sexuelles Wohlbefinden entwickelt und auch ein klein wenig Genetik. (Auffällig ist, das sehr viele Zwillingspaare die gleiche sexuelle Orientierung zeigen (also Homo- oder Heterosexuell sind). Es ist selten, dass der eine auf das gleiche, während der andere auf das Andere Geschlecht "steht".)
Kein Fall von Verführung
Sicher ist auch: Niemand kann zu einer tief greifenden und dauerhaften homosexuellen Orientierung erzogen oder gar verführt werden. In der gesamten wissenschaftlich fundierten Literatur wird kein einziger Fall einer homosexuellen Prägung durch Verführung berichtet.
Innerhalb einer grundsätzlich hetero- oder homosexuellen Orientierung gibt es von Mensch zu Mensch aber recht unterschiedliche Ausprägungen. Zum einen kann ein Mischungsverhältnis von homo- und heterosexueller Neigung vorliegen, zum anderen spielen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für das konkrete Verhalten eine große Rolle. Manche machen in ihrem Leben phasenweise ganz unterschiedliche Erfahrungen.
Gefühle und Bedürfnisse erklären sich langsam - Der Prozess der Klärung der eigenen Gefühle und Bedürfnisse (meist "Coming-Out" genannt) kann eine Zeitlang dauern. Vor allem, wenn eine homosexuelle Grundneigung sich langsam gegen eine erdrückende heterosexuelle Umgebung durchsetzen muss.
Wenn gegengeschlechtliche Partnerinnen oder Partner als attraktiver wahrgenommen werden, wird sich meist die in diesem Fall gegebene heterosexuelle Grundorientierung.
Bei deutlich stärkerem Herzklopfen bei gleichgeschlechtlichen Partnern oder homoerotischen Träumen beginnt jedoch meist ein großer Konflikt, der lange braucht, bis sich die homosexuelle Grundorientierung durchsetzt.
So entsteht Homosexualität nicht
das Kinsey-Institut hat nachgewiesen, dass die meisten der bisher versuchten Erklärungen über die Entstehung von Homosexualität falsch sind. So stimmen vor allem die folgenden, von manchen Psychoanalytikern geäußerten Behauptungen nicht:
- Homosexuelle Männer würden sich stärker mit ihren Müttern identifizieren als heterosexuelle
- Die Vater/Sohn-Beziehung sei entscheidend für die sexuelle Orientierung
- die Geschwister (beispielsweise Genitalspiele mit den Brüdern) hätten Einfluss auf die Ausbildung der Homosexualität
- der Wunsch der Eltern, lieber ein Mädchen zu haben, könnte aus ihrem Sohn einen Homosexuellen machen
- Homosexualität entstehe durch Verführung
Die bisher letzte gründliche Untersuchung zur Frage nach den Ursachen von Homosexualität wurde im amerikanischen Kinsey-Institut durchgeführt. (A. P. Bell u. a.: Der Kinsey-Institut- Report über sexuelle Orientierung und Partnerwahl, München 1980)
Als wichtigste Ergebnisse seiner Untersuchung hebt das Kinsey-lnstitut hervor:
Die sexuellen Erlebnisse und Erfahrungen in Kindheit und Jugend sind für die sexuelle Ausrichtung im Erwachsenenalter nicht maßgeblich, denn sexuelle Erlebnisse mit Angehörigen des gleichen Geschlechts kommen sowohl bei später homosexuell wie später heterosexuell ausgerichteten Menschen vor. Ebenso gibt es bei den Angehörigen beider Gruppen Erlebnisse mit Menschen des anderen Geschlechts.
Die sexuellen Empfindungen, die in Kindheit und Jugend auftauchen, sind viel entscheidender als die sexuellen Handlungen. Erwachsene Homosexuelle sind bereits in Kindheit und Jugend homosexuell empfindend, sie berichten, dass gleichgeschlechtliche Menschen sie sexuell erregten. Die sexuellen Empfindungen und Erregungen tauchten gewöhnlich lange vor entsprechenden Betätigungen auf. Falls auch heterosexuelle Kontakte vorkamen, wurden sie oft als oberflächlich und nicht besonders befriedigend beschrieben. Die sexuelle Ausrichtung ist bereits sehr früh im Leben ziemlich fest verankert. Die sexuellen Äußerungen in Kindheit und Jugend spiegeln im großen und ganzen die in einem Menschen sehr früh sich ausdrückende sexuelle Ausrichtung heterosexuell wider, sie sind aber nicht ihre Ursache. Die ausgeprägte Homosexualität des Erwachsenen ist sozusagen die letzte Stufe eines früh beginnenden Prozesses zu homosexueller Reaktionsfähigkeit.
Wesentlich mehr heterosexuelle als homosexuelle Männer berichteten sie hätten ihre ersten sexuellen körperlichen Erlebnisse mit einem Jungen oder einem Mann gehabt (Homosexuelle: 39%; Heterosexuelle: 62%). Eltern sind in der Regel die wichtigsten Bezugspersonen für ihre Kinder, Sie können die notwendige Sicherheit geben, die zur Bewältigung schwieriger Situationen notwendig ist. Die Suche nach der sexuellen Orientierung ist eine solche schwierige Phase. Eltern können dabei hilfreich sein, wenn sie grundsätzlich die Haltung haben, dass ihre Kinder sich im Einklang mit ihren Gefühlen, ihrem Denken und ihren Interessen entwickeln sollen, und wenn sie diesen Prozess hebend begleiten. Liebe heißt auch hier, die Kinder bedingungslos anzunehmen, sie also nicht davon abhängig zu machen, ob sie sich "normgerecht" oder eher "abweichend", hetero- oder homosexuell entwickeln.
Das ist einfach gesagt, in Wirklichkeit aber ein schwieriger und schmerzvoller Prozess. Er beginnt mit Einfühlen und Verstehen.
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