Diversity München
 
Für Eltern
Schlusswort

Inhalt:
Eltern müssen auch etwas für sich selbst tun!
Eltern brauchen Zeit und Geduld
Mit anderen reden
Sich informieren
Hilfe und Solidarität suchen
Glück hängt davon ab, ob jemand geliebt wird und lieben kann!
Es ist viel gewonnen:
Von der Familie getragen werden
Auch Eltern können profitieren


Eltern müssen auch etwas für sich selbst tun!

Enttäuschungen tun weh, der Abschied von eigenen Wunschvorstellungen über die Zukunft der Kinder macht traurig. Zweifel kommen auf, was möglicherweise schief gelaufen ist in der Vergangenheit. Und das oft wider besseres Wissen, denn inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Homosexualität nicht gelernt wird oder ein "Fehler" ist. Das nagt am eigenen Selbstwertgefühl, das auch nicht immer ganz unabhängig ist von dem Urteil der Mitmenschen. Was denken die wohl über die Eltern eines schwulen oder lesbischen Kindes?


Eltern brauchen Zeit und Geduld

Wenn die Angst vor dem Urteil der anderen groß ist, hat es keinen Sinn, sich selbst zuviel zuzumuten, die Schritte ins Neuland zu groß zu machen. Wichtig ist in jedem Fall, mit dem Kind zu reden, nach allem zu fragen, was unklar ist. Also keine Ansprachen zu halten, sondern die eigenen Gedanken, Ängste, offenen Fragen mitzuteilen und richtig hinzuhören, sich erzählen zu lassen, damit die vielleicht fremde Lebens- und Liebeswelt näher rückt.


Mit anderen reden

Manche Eltern machen gute Erfahrungen, wenn sie mit anderen Homosexuellen oder deren Eltern reden vielleicht im Zusammenhang mit einer Beratungsstelle, den eigenen Bekannten oder auch mit Freunden des eigenen Kindes.


"Mittlerweile haben wir uns mit dem Thema abgefunden. Wir haben uns auch mit der Jugendgruppe hier in Mannheim getroffen. Dort war ein Junge, der so furchtbare Probleme mit seinen Eltern hatte. Der war damals neu in der Coming-Out-Gruppe, erst 17, und die Eltern machten ihm die Hölle heiß. Er durfte nicht mehr ausgehen, weder in die Gruppe noch sonst wohin. Und wenn Jungen zu Hause anriefen, verbanden ihn die Eltern nicht. Mein Mann und ich, wir haben gleich gesagt, dass wir hier gern helfen möchten. Wenn es gut ist, fahren wir gleich hin und sprechen mit den Eltern. Wir sind genauso betroffen, man muss es akzeptieren. Wir haben auch dem Jungen empfohlen, ein Buch zu kaufen und den Eltern zu geben. Doch der Junge war ganz verzweifelt. Er sagte, dass sie eben nichts wissen wollten. Wir haben ihn gebeten: ,Sag deinen Eltern wenigstens, dass es uns genauso geht. Wenn sie Hilfe brauchten, könnten sie uns jederzeit anrufen.' Aber es ist nichts daraus geworden. Die Eltern haben auf stur geschaltet. Also, für mich ist das falsch." (Mutter, 39 Jahre)


"Ich war in der nächsten Zeit viel mit Peter und den Freunden zusammen. Ich wollte die Homosexuellen verstehen lernen. Ich wollte wissen, wie sie leben, arbeiten und lieben. Peter gewann zunehmend Vertrauen zu mir. Er merkte, dass ich echtes Interesse an ihm und seinem Umfeld hatte." (Mutter, 46 Jahre)


Sich informieren

Genau wie der schwule Junge oder das lesbische Mädchen Unterstützung suchen, brauchen vielleicht auch die Eltern Hilfestellung, Informationen, Beratung und solidarischen Beistand. Viele Eltern fangen erst jetzt an, sich richtig über Homosexualität zu informieren. Sie wälzen Lexika, lesen Bücher, Broschüren, befragen Fachleute. Hilfreich ist, beides miteinander zu verbinden: selbst nachzulesen in neueren Schriften und sich an einen Berater oder eine Beraterin zu wenden, um klärende Gespräche über die konkrete Situation zu führen.



Hilfe und Solidarität suchen

Gesprächspartner, mit denen solche Fragen besprochen werden können, ist oft ein guter Freund oder eine gute Freundin, kann vor allem der Lebenspartner oder die -partnerin sein. Oft beginnen als erstes die Mütter, sich in das Kind und die neue Situation einzufühlen, während die Väter größere Schwierigkeiten haben, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ein homosexueller Sohn oder eine lesbische Tochter bedeutet für manchen Vater eine Kränkung der eigenen Geschlechts Identität, des Selbstverständnisses als Mann. Entsprechend bestehen Hemmungen, mit anderen darüber zu reden. Die Scham ist groß. Je mehr auch Männer lernen, über ihre inneren Konflikte zu reden, sich anderen anzuvertrauen, um so leichter wird es für sie, den Kontakt zu ihren Kindern zu halten - selbst, wenn sie sich ganz anders entwickeln.

Hilfe bekommen Eltern auch bei Erziehungs- sowie Familien-, Sexual- und Lebensberatungsstellen. Oft ist es einfacher, sich einem zunächst unbekannten Fachmann oder einer Fachfrau anzuvertrauen, als mit Bekannten über die Situation zu reden. In größeren Städten existieren manchmal (vermittelt über Volkshochschulen oder Beratungsstellen) Elterngruppen, die gemeinsam versuchen, mit Hilfe ihrer unterschiedlichen Erfahrungen ihre jeweilige individuelle Situation zu bedenken. Es tut gut zu wissen, dass andere sich mit dem gleichen Thema beschäftigen.


"Wir wussten: Da gibt es ganz sicher ganz viele um uns herum, und es war der Wunsch da, mit diesen anderen Eltern zusammenzutreffen. Ich habe dann erst mal im kleinen privaten Kreis Eltern zu mir nach Haus eingeladen, Eltern von Freunden meines Sohnes. Es ging dann immer weiter, über Pro Familia, bis ich an die Düsseldorfer Elterngruppe geraten bin. Wir sind heute ein großer Kreis, etwa dreißig Personen, wobei allerdings zwanzig Kinder sind; wir haben eines Tages gesagt, lasst uns doch unsere Kinder mitbringen. Das war sehr bereichernd und hat sich inzwischen so ausgeweitet, dass wir inzwischen zwanzig Kinder und zehn Elternteile sind, und es sind eigentlich mehr junge Männer ohne ihre Eltern, die in uns ,Ersatzeltern' sehen. In den meisten Fällen haben sie es ihren Eltern noch nicht gesagt und wollen nun von uns Tipps haben, wie sie es denn am besten machen können." (Mutter eines 28-jährigen Sohnes)


Glück hängt davon ab, ob jemand geliebt wird und lieben kann!

Selbst wenn Eltern von vornherein eine akzeptierende Haltung haben oder nach durchlebter Krise dazu kommen, bleiben Sorgen um das Wohl der Kinder. Sie leben schließlich in einer Welt, die ihnen nicht immer wohl gesonnen ist.


Es ist viel gewonnen:

  • wenn die vielen unbekannten Facetten des Themas keine Bauchschmerzen mehr machen,
  • wenn die persönlichen Kränkungen, Enttäuschungen, die Schuldgefühle keine so große Rolle mehr spielen
  • wenn nur noch die Sorge übrig bleibt, dass es dem Kind und ihnen selbst gelingt, mit der Situation so sorgsam und umsichtig wie möglich umzugehen


Dann ist der Nebel der Vorurteile verzerrten Bilder und Ängste verzogen und die Furcht vor Diskriminierung und Abwertung kann realistisch eingeschätzt und vor allem angepackt werden.


Von der Familie getragen werden

Wie viel Tochter oder Sohn verkraftet, hängt sehr von der Unterstützung ab, die Eltern bereit sind zu geben. Ein Mensch, der sich von seiner Familie getragen weiß, der Enttäuschungen ansprechen kann, dessen Freunde auch zu Hause akzeptiert sind, findet schnell weitere Freunde und ein Lebensmilieu,
das stärkt und Kraft gibt.

Sie helfen Ihrem Kind auch mit Gewalterfahrungen besser umzugehen, wenn Sie bereit sind, die sexuelle Orientierung mit allen Konsequenzen freundlich zu begleiten. Ihr Kind kann dann abschätzen, welchen Gefahrensituationen es besser ausweichen sollte und wann es hilft, bestimmten Anfeindungen selbstbewusst entgegenzutreten. Wenn Ihr Kind sich der Unterstützung gewiss ist, wird es auch besser in der Lage sein, Angriffen zu begegnen.

Die Gewalt gegen das Fremde - auch gegenüber Menschen mit anderen sexuellen Orientierungen - nimmt ab, wenn Menschen bereit sind, sich auf neue Erfahrungen einzulassen und dann auch Andersartiges zu akzeptieren.

Damit verbunden ist die Frage nach dem persönlichen Glück, denn das ist weitgehend abhängig davon, ob jemand geliebt wird und lieben kann, ob jemand genügend "Luft zum Atmen" hat, das heißt zur Entfaltung seiner persönlichen Qualitäten und Interessen


Auch Eltern können profitieren

Zu allem können Eltern viel beitragen und dabei selbst viel davon profitieren. Das Thema "Hilfe, mein Kind ist schwul oder lesbisch" zwingt zur Auseinandersetzung mit einem der wichtigsten Lebensbereiche, der Sexualität nämlich. Und das nicht nur oberflächlich oder sensationslüstern wie oft in unseren Medien, sondern persönlich berührend. Dieses Thema rückt ganz nahe, so nahe, dass es angst macht. Die eigene sexuelle Entwicklung kommt ins Bewusstsein, Solidaritätsbekundungen bleiben nicht leere Worthülsen, sondern die eigene Akzeptanz, das Umgehen mit Fremdheit, stehen auf dem Prüfstand. Eine zunächst fremde, vielleicht nicht ganz ernst genommene Minderheit wird plötzlich bedeutsam. Informationen werden eingeholt, Gespräche geführt, neue Einsichten gewonnen. Werte stehen zur Debatte und fordern zur konkreten Entscheidung heraus. Toleranz, Liebe, Achtung vor dem Leben in seiner Vielfalt, Solidarität und Wahrhaftigkeit werden wichtig: weil es um konkrete Menschen geht, um das Glück der eigenen Kinder und den eigenen Seelen frieden. Mut, Sensibilität, Geduld, Einfühlungsvermögen und Ehrlichkeit sind gefragt. Das alles kann einen Menschen verändern und vor allem reifer machen.


"Im Nachhinein kann ich nur sagen, dass mich Udos Homosexualität verändert hat. Mein Horizont ist wesentlich weiter geworden. Vor allen Dingen bin ich für so genannte Randgruppen viel sensibler geworden. Ich stelle fest, dass Homosexuelle liebenswerte, tolerante und weit blickende Menschen sind. Für mich haben sich Welten geöffnet. Woran habe ich denn früher gedacht? Ich war voll in dieser Schiene Haushalt, Kinder, Nachbarn. Was hat mich beschäftigt? Was kochst du morgen? Haben wir alle Winterstiefel? Diese kleinkarierten Probleme. Das habe ich jetzt alles hinter mir gelassen." (Mutter, 42 Jahre)


Es lohnt sich, von solchen Erfahrungen etwas weiterzugeben. Sei es durch das "Zum-Thema-Machen" in der eigenen Verwandtschaft, unter Freunden, auch Nachbarn. Damit ist nicht gemeint, es hinauszuposaunen ohne Rücksicht auf die eigene Familie und die Aufnahmebereitschaft der Umgebung. Es heißt aber, umsichtig und offener mit sich selbst und anderen umzugehen, um mehr Ehrlichkeit und Akzeptanz zu erreichen.

Das stärkt sowohl die Situation des Kindes als auch die eigene Position als betroffene Eltern. Verschweigen, ständig auf der Hut sein, dass auch nichts herauskommt, Lügen ausdenken, wenn nach den Kindern gefragt wird und die jeweiligen Partner der Kinder aus den Familienfeiern ausklammern, sie möglichst wenig im Haus haben - das alles kostet viel Kraft und Energie und hilft keinem. Im Gegenteil.


"Niemand garantiert einem ein glückliches Leben, uns allen nicht und Homosexuellen erst recht nicht. Aber wer heute noch unter Diskriminierung zu leiden hat, muss doch deshalb nicht später auch unglücklich sein! Was hat sich nicht alles in den letzten Jahren getan? Heutzutage trauen sich viele Homosexuelle an die Öffentlichkeit, ohne dass sie Verachtung ernten. Die Ängste sind häufig unbegründete Überbleibsel aus einer Zeit, in der Homosexuelle weitaus schlimmer dran waren. Wir sollten uns wirklich hüten, ständig von der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen. Immerhin leiden Homosexuelle nicht unter ihrer Veranlagung, sondern an der Ablehnung durch andere. Und wie lange die noch bestehen bleibt, liegt auch an uns!" (Mutter, 41 Jahre)


Oft sind die Eltern überrascht, wie viel Verständnis und Unterstützung sie finden, dass viele Ängste nur in ihrer Vorstellung existierten und in der Realität verschwinden.

Auch Sie als Eltern können dazu beitragen, dass sich weiterhin das allgemeine Klima verändert und bekundete Toleranz nicht unverbindlich bleibt. Je mehr Homosexuelle und ihre Angehörigen sich "selbstverständlich" als solche zeigen, desto eher können Vorurteile überdacht werden. Es entstehen Netze der Freundschaft, der Begegnung zwischen homosexuellen und heterosexuellen Menschen, die sich mögen wegen ihrer Besonderheiten, und die nicht mehr auf die Frage fixiert sind, ob jemand Sex mit dem anderen oder dem gleichen Geschlecht hat.


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Aktuelles:

Montag 30. Januar 2012 Vollversammlung am 12.02.2012 um 13:00Uhr

Liebe Mitglieder, Liebe GruppenleiterInnen von diversity, die ordentliche Vollversammlung von diversity findet statt am Sonntag, den 12.02.2012 um 13:00 Uhr im LesBiSchwulen Jugendzentrum (Blumenstr. 11, 1. OG, 80331 München). ...[mehr]

Montag 30. Januar 2012 Mitgliederversammlung am 12.02.2012 um 12:00Uhr

Liebe gewählte Mitglieder, Liebe Mitglieder des Verwaltungsrates, Liebe Fördermitglieder von Gleich & Gleich - LesBiSchwule Jugendhilfe e.V., die ordentliche Mitgliederversammlung von Gleich & Gleich - LesBiSchwule...[mehr]

Montag 09. Januar 2012 JUNGS-Winterfahrt vom 24. - 26.02.2012

Willst Du ein schönes Wochenende mit den JUNGS verbringen? Dann bietet Dir die JUNGS-Winterfahrt nach Bayreuth vom 24. - 26.02.2012 die Gelegenheit dazu.

 

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