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Homosexualität als akzeptierte Spielart der Sexualität - Ein neues Leben beginnen
Akzeptanz für männliche Homosexualität wächst schneller
Sich den Eltern zu offenbaren hat eine besondere Bedeutung![]()
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Homosexualität als akzeptierte Spielart der Sexualität - Ein neues Leben beginnen
Nicht von ungefähr ziehen manche Jugendliche so schnell wie möglich in eine größere Stadt, in der es mehr Möglichkeiten der Bestätigung und "Luft und zum Leben" gibt als in dem Dorf oder der Kleinstadt, in der sie aufgewachsen sind. Das heißt oft auch Abschied von der Familie und der vertrauten Umgebung, heißt manchmal, ein neues Leben anzufangen, das den eigenen Bedürfnissen besser gerecht wird.
Die Menschen, die diesen Weg gehen, nehmen viel auf sich, um ihre sexuelle Identität zu finden und zu leben. Sie müssen sich auseinandersetzen mit oft höhnischen Reaktionen einer heterosexuellen Umgebung, in der eins nicht vorkommen darf: Dass sich ein Mädchen zu einem Mädchen und ein Junge zu einem Jungen hingezogen fühlt.
Akzeptanz für männliche Homosexualität wächst schneller
Weil es Männern in unserer Gesellschaft leichter fällt als Frauen, ihre - wenn auch andere - Lebensweise offensiv zu vertreten, wachst Akzeptanz für männliches homosexuelles Verhalten heute noch schneller als Freiräume für lesbische Mädchen.
Frauencafes, Frauenhäuser und Räume für Mädchen in Jugendzentrenwerden noch immer von vielen Jungen und Männern als eine Bedrohung für sich selbst empfunden. Coming-Out-Gruppen für lesbische Mädchen sind sehr selten und stoßen oft auf heftigen Widerstand. Lesben sind in unserer Gesellschaft noch nahezu unsichtbar, es gibt besonders wenig sichtbare Vorbilder für Mädchen, an denen sie sich im Coming-Out orientieren könnten. Wie sag' ich's meinen Eltern?
Jungen haben eher einmal die Möglichkeit, sich an Medienstars oder auch Personen aus ihrer direkten Umgebung zu orientieren. Zunehmend kommen schwule Mitarbeiter der Aids-Hilfe in Schulen und zeigen sich so, wie sie wirklich sind und leben: Als "richtige Männer", die als Angehörige einer Minderheit oft mehr Sensibilität für die Problemseite des Lebens mitbringen, aber ansonsten genauso lebenslustig, unternehmungsfreudig und anerkennenswert sind wie "Heteromänner".
Die "Veröffentlichung" ihres bis dahin oft ängstlich gehüteten Geheimnisses vor den Eltern ist für homosexuelle Jugendliche ein besonderes Thema. Es sei denn, die Eltern haben schon seit längerem überhaupt keine Bedeutung mehr für sie. Das ist aber selten. Ob und wann jemand die Eltern ins Vertrauen zieht, hängt ab von der Beziehung zwischen Eltern und Kindern, von der - bisherigen Art, wie in der Familie über Sexuelles, also auch über Homosexualität, geredet wurde. Allgemein also vom bisherigen Klima bei der Bewältigung persönlicher Konflikte.
Manche sehen überhaupt keine Chance, sich zu öffnen, und ziehen entsprechend die Konsequenzen, indem sie z. B. den Kontakt abbrechen.
Einige reden mit ihren Eltern, sobald ihnen bewusst wird, dass sie über ihre sexuelle Orientierung unsicher geworden sind. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Beziehung zu den Eltern sehr positiv ist und bisher schon viel über die sexuelle Entwicklung der Kinder gesprochen wurde. Dann kann auch der schwierige Weg des Coming-Out gemeinsam gegangen werden.
Die Eltern stehen der Homosexualität akzeptierend gegenüber und haben diese Haltung, auch ohne konkret von ihrem Kind zu wissen, bereits aus- gestrahlt. Sie stehen unterstützend zur Seite, wenn Probleme auftreten. Die Jugendlichen können sorgsam ihren Gefühlen und Wünschen nachspüren Sie können eigene Erfahrungen machen, was ihnen gut tut und in welcher Lebensweise sie selbst meinen, glücklich zu werden. Doch solche "idealen" Bedingungen sind selten.
Sich den Eltern zu offenbaren hat eine besondere Bedeutung
Jungen und Mädchen, die sich ihrer Gefühle noch nicht ganz sicher sind, müssen im Gegenteil öfter damit rechnen, dass die Eltern die beim Kind gespürten Zweifel noch verstärken. Dies in der Hoffnung, dass das Ganze doch nur eine vorübergehende Phase bleibt und sich bald wieder "auswächst". Das führt jedoch nur tiefer in die Krise, weil damit die ohnehin vorhandenen Tendenzen verstärkt werden, um jeden Preis so zu fühlen wie andere - ein Wunsch, der die Gefühle und Sehnsüchte noch stärker knebelt.
Andere Jungen oder Mädchen öffnen sich - und das ist schon wahrscheinlicher - wenn sie sich ihrer Neigung relativ sicher sind und es nicht mehr länger aushalten, den wichtigsten Teil ihrer Gefühle vor den Eltern geheim zu halten. Vielleicht in einem Moment, in dem sie sich schwach und hilfsbedürftig fühlen und besonders Zuspruch und Akzeptanz benötigen. Das ist dann der Fall, wenn das Gefühl da ist, sich den Eltern in Krisensituationen anvertrauen zu können. Der Ausgang dieses Vertrauensbeweises ist dabei allerdings ungewiss. Manchmal sind die Eltern so vor den Kopf gestoßen, dass ihre grundsätzlich fürsorgliche und solidarische Haltung von dem ungewohnten Thema zunächst verdrängt wird. Gut ist, wenn sie dann beides äußern können: Den Schmerz, den Zweifel und gleichzeitig die Bereitschaft, auch dann noch zu unterstützen und "da zu sein".
Die meisten informieren ihre Eltern erst dann, wenn sie bereits mit sich selbst im reinen sind, wenn sie sich ihrer Orientierung sicher fühlen und stark genug sind, die Familie damit zu konfrontieren. Dann haben sie schon eine große Leistung vollbracht: Nämlich sich selbst durch die Zweifel, Ablehnungen und Widerstände durchzukämpfen und trotzdem den Kopf oben zu behalten. Oft erhalten sie dann schon Unterstützung von Freunden und hoffen jetzt vertrauensvoll auf weiteren Rückhalt bei den Eltern. Sie sind dann natürlich sehr enttäuscht, wenn ihr Vertrauensbeweis als Provokation verstanden wird.
Manche bringen zum Gespräch mit den Eltern eine vertraute Person mit, die bereits eingeweiht ist, um nicht ganz alleine mit den Reaktionen fertig werden zu müssen. Oder sie bitten eine Person ihres Vertrauens, die auch von den Eltern geachtet wird, die Nachricht vom "Anderssein" zu übermitteln.
Einige erklären sich nicht im direkten Gespräch, sondern durch einen Brief, um den Eltern und sich selbst Zeit zu geben, bevor eine persönliche Begegnung stattfindet.
Die möglichen Wege sind sehr verschieden, sie haben viel mit den bisherigen Erfahrungen zu tun, die im Umgang mit intimen Themen in der Familie gemacht wurden. Für Eltern ist in jedem Fall wichtig zu wissen: Das Kind will nicht verletzen, sondern es will mehr Nähe zu ihnen als Menschen, die ihm wichtig sind.
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