Inhalt:
Das Thema von sich aus ansprechen?
Was tun, wenn das Kind sich aussprechen will?
Verletzende Reaktionen sind manchmal unvermeidbar
Im Kontakt miteinander bleiben
Es ist dasselbe Kind, das weiter liebt und geliebt werden möchte
Sich für sein Kind entscheiden![]()
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Das Thema von sich aus ansprechen?
Dann ist es auch umgekehrt möglich, als Erwachsener das Thema von sich aus anzusprechen, wenn das eigene Gefühl oder ein bestimmtes Verhalten dazu Anlass gibt. Doch Vorsicht! Die nicht sexuelle Orientierung gehört besonders in der Phase der Unsicherheit zu den intimsten Themen eines Menschen. Nicht nur Kinder sind dabei besonders verletzbar. Plumpes Nachfragen oder gar besorgtes Drängen kann "die Tür zuschlagen" und eine vielleicht zuvor durchaus offene Gesprächsatmosphäre über Sexualität beenden. Vor allem merken Kinder sofort, ob hinter einer Frage in diese Richtung ernst gemeintes Interesse oder Angst und Ablehnung stecken.
Und außerdem: Seiten sind die Signale eindeutig, wenn Kinder mit der Frage beschäftigt sind, ob sie sich mehr zum eigenen oder zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen. Desinteresse am anderen Geschlecht kann auch bedeuten, dass Sport einfach wichtiger ist; und selbst homosexuelle Handlungen unter Jungen oder unter Mädchen haben oft nur wenig mit einer grundsätzlichen homosexuellen Orientierung zu tun.
Meist ist es besser, zunächst mit guten Freunden über die Situation zu reden, bevor sie mit dem eigenen Kind zum Thema gemacht wird. Das hilft, die richtige Grundeinstellung, den richtigen Zeitpunkt und Ton zu finden.
Was tun, wenn das Kind sich aussprechen will?
Die auf den vorigen Seiten geschilderten Stufen der Reaktion von Eltern auf die mögliche Homosexualität ihrer Kinder beruhen auf Erfahrungen, die von Kindern und von Beraterinnen und Beratern berichtet wurden. Sie werden von allen Eltern in gleicher Weise oder gar in einer festen Reihenfolge erlebt. Und doch können alle Reaktionsweisen irgendwann einmal eine Rolle spielen. Die Bandbreite kann von umfassenden Akzeptieren bis zu völliger Ablehnung reichen.
Wie heftig die einzelnen Reaktionsweisen erlebt werden, wie lange eine bestimmte Phase dauert und vor allem, wie sich die Beziehung zwischen Eltern und Kind entwickelt, hängt viel von den Vorinformationen ab, die Eitern über Homosexualität haben. in jedem Fall lohnt es sich zu wissen, was eigentlich in den Eltern selbst, und was zwischen Eltern und Kindern vor sich geht, wenn die Situation real und akut geworden ist.
Verletzende Reaktionen sind manchmal unvermeidbar
Erste Reaktionen kommen meist spontan, sind deswegen oft unüberlegt, wirken vielleicht verletzend. Die eigene Enttäuschung richtet sich gegen das Kind, auch wenn das überhaupt nicht so gemeint ist. Das ist nicht immer zu vermeiden, weil Eltern auch ein Recht auf Gefühle haben und keineswegs alles immer und sofort verstehen müssen.
Vielleicht ist der Kontakt erst einmal gestört, sogar abgebrochen. Manche Jugendliche verstehen das, sind vielleicht sogar darauf vorbereitet, weil sie ihre Eltern genau kennen. Sie geben ihnen eine Chance, die Gedanken und Gefühle zu sortieren und "die Fassung wieder zu bekommen". Es ist wichtig, sich selbst und dem Kind eine gewisse Zeit zur Verarbeitung der neuen Situation zu geben. Wichtig ist der folgende Schritt, der nach dem wieder gefundenen Gleichgewicht von widersprüchlichen Gefühlen und Gedanken gegangen wird.
Im Kontakt miteinander bleiben
Es gibt Eltern, die im ersten Affekt ihr Kind hinauswerfen - ein für allemal, wie sie es spontan fühlen - und diese Reaktion dann bereuen. Es wichtig, den "Rausschmiss" zurückzunehmen, sobald Zweifel aufkommen. Konsequenz um jeden Preis ist unmenschlich. Das entspricht nicht der Widersprüchlichkeit unserer Empfindungen und Reaktionen. Oft versuchen die Jugendlichen, den Kontakt wieder aufzunehmen, weil sie vielleicht schon stabiler sind als ihre Eltern. Es ist immer gut, darauf einzugehen, auch dann, wenn die eigene Verletzung noch stark gespürt wird.
Es ist dasselbe Kind, das weiter liebt und geliebt werden möchte
Viele Eltern haben plötzlich das Gefühl, dass sich etwas Ungeheuerliches zwischen sie und die Kinder geschoben hat. Eine Barriere von Vorurteilen, Abwertungen, Ängsten über Homosexualität steht plötzlich vor Augen und vernebelt den Blick auf das eigene Kind. Dann ist es besonders wichtig, konkret hinzusehen und wahrzunehmen, dass es noch dasselbe Kind ist, das weiterhin liebt und geliebt werden möchte, das Schmerz und Freude empfindet, das (gerade jetzt!) Verständnis und Nähe sucht.
Sich für sein Kind entscheiden
Eltern müssen sich entscheiden, was ihnen wichtiger ist: Ihr eigenes Kind, oder die Erfüllung der gesellschaftlichen Erwartung, dass Männer keine Männer und Frauen keine Frauen begehren und lieben dürfen. Die meisten lassen sich - vor diese Alternative gestellt - in dieser Situation von ihren Gefühlen leiten und entscheiden sich für ihr Kind, für den Menschen in seiner Besonderheit. Das gelingt, wenn sie mit der Zeit gelernt haben, genau hinzuhören. Dann wachsen Einfühlung, Verständnis und auch Akzeptanz. Davon etwas mitzuteilen und die neu, vielleicht langsam wachsende Zuneigung zu zeigen, schafft eine gute Atmosphäre für ein Gespräch über die unterschiedlichen Erwartungen. Und die Chance, loszulassen von den eigenen Vorstellungen und den Erwartungen, dass sie von den Kindern genauso erfüllt werden.
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