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Phasen der Verarbeitung
Eltern erleben die Offenbarung oft ganz unvorbereitet
Bereit sein, hinzuhören![]()
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Auch die Eltern erleben nach der Nachricht (oder vielleicht auch schon vorher) ein "Coming-Out". Das heißt, dass sie sich zunächst selbst mit der neuen Situation beschäftigen müssen, die Eltern eines (vielleicht) homosexuellen Kindes zu sein.
Phasen der Verarbeitung
Auch bei ihnen gibt es Phasen der Verarbeitung, die - je nachdem wie sie mit bedeutsamen Veränderungen bisher umgegangen sind - unterschiedlich schnell durchlaufen werden. Wer bereits die eine oder andere persönliche Krise durchgestanden hat, ist meist sensibler gegenüber enttäuschten eigenen Erwartungen und kann besser mit der unerwarteten Nachricht umgehen. Und: Je weniger Erwartungen Eltern an ihre Kinder in diesem Bereich haben, desto leichter wird es ihnen fallen, ihre Kinder zu akzeptieren, wie sie sind.
Eltern erleben die Offenbarung oft ganz unvorbereitet
Nur wenige Eltern sind in der glücklichen Situation, sich langsam an den Gedanken gewöhnen zu können, dass ihre Kinder sich nicht in das vorgegebene Muster einpassen. Die meisten erleben die Offenbarung ganz unvorbereitet, oder es erfährt nur ein Elternteil.
"Ehrlich gesagt, ich konnte das damals gar nicht richtig ernst nehmen, habe es mehr für eine Laune gehalten. Gründe sind mir genug eingefallen. Ich dachte zuerst an ein Mädchen. Vielleicht hat sie ihn abblitzen lassen, und Bernhard hat sich deshalb in diese Geschichte hinein gesteigert. Oder er fürchtete sich, allein in seinen neuen Studienort zu gehen, und hat sich deshalb diesem Jungen angeschlossen. Dass er wirklich homosexuell sein könnte, nein, das erschien mir auch damals zu abwegig ... Meinem Mann habe ich von der ganzen Sache nichts erzählt. Er würde sich nur fürchterlich grämen. Auch möchte ich vermeiden, dass sonst irgendwer im Ort davon hört... Äußerlich ist unser Familienleben völlig normal. Bernhard besucht uns regelmäßig in den Ferien. Natürlich muss er allein kommen. Ich habe ihm gesagt, dass wir seinen Freund nicht bei uns dulden. Bernhard hat mir daraufhin verraten, dass die Eltern des jungen Mannes nichts von alle- dem wissen. Sie würden es nicht akzeptieren, ihren Sohn bestimmt verstoßen, Ich fürchte, mein Mann würde ebenfalls so reagieren, wenn er Bescheid wüsste Es wäre ein schrecklicher Schock für ihn Deshalb darf er es nie erfahren. Natürlich wundert er sich, dass Bernhard noch nie über eine Freundin gesprochen hat. Aber ich habe ihm gesagt, dass er eben andere Interessen hat, viel lernen muss und gerne zum Sport geht." (Mutter, 45 Jahre)
"Es ist doch nicht wichtig. Ob ein Mann eine Frau oder ein Mann einen Mann liebt, das ist unwesentlich. Liebe ist doch immer schön, schlimm ist nur der Hass. Ich möchte, dass mein Kind wieder lernt, sein Leben zu lieben. Natürlich habe ich - daran gedacht, dass ich nie Enkelkinder bekommen werde. Es gehen einem so viele Träume durch den Kopf, die dann wie Seifenblasen zerplatzen. Aber es gibt Schlimmeres." (Mutter, 54 Jahre)
"Ich wünsche allen, die hinter vorgehaltener Hand über Homosexuelle herziehen, ein schwules Kind. Dann werden sie sehen, dass ihr eigener Sohn derselbe geblieben ist, auch, wenn er lieber mit einem Mann sein Bett teilt als mit einer Frau. Reicht das, um ihn zu verurteilen? Wie traurig, wenn in dieser Welt alle gleich empfinden müssen, um geliebt und anerkannt zu werden. Mich hat die Erfahrung mit Dirk jedenfalls aufgerüttelt. Ich bin einen schweren Weg gegangen. Aber ich habe an Reife und Einsicht dazu gewonnen. Heute bin ich viel aufgeschlossener geworden. Ich be- und verurteile nicht mehr so schnell. Erst will ich genau wissen, was sich dahinter verbirgt, bevor ich mir ein Urteil erlaube." (Mutter, 52 Jahre)
Wenn Ihnen als erwachsene Bezugsperson gelungen ist ein vertrauensvolles Verhältnis zu Ihren Kindern aufzubauen, dann wissen sie, dass sie mit allen Fragen zu Ihnen kommen können. Im Idealfall sind Sie und Ihre Kinder von Beginn an auch über sexuelle Dinge im Gespräch.
Das beginnt bei der Entdeckung und Bezeichnung der Geschlechtsteile, der Frage, wie Kinder entstehen, wie, wann und warum die Eltern miteinander zärtlich sind, reicht über die Zeit der Pubertät bis zu Beziehungsfragen von Anmache, Eifersucht und Trennungsschmerz.
Bereit sein, hinzuhören
Das Fragen und Antworten ist dann oft ein gegenseitiger Prozess. Wenn Eltern bereit sind, hinzuhören, sich einzufühlen, ihre Meinung sagen und doch akzeptieren, wenn das Kind sich anders verhält, lernen beide Seiten voneinander. Dann ist es auch möglich, dass die Initiative mal von den Eltern und mal von den Kindern ausgeht, ohne dass sich jemand ausgefragt oder bedrängt fühlt.
Auch die Frage nach der sexuellen Orientierung kann dann dazugehören. Anlasse dazu gibt es genug. Die frühkindlichen Mann-Frau-Rollenspiele können durchaus mit der Bemerkung begleitet werden, dass es auch möglich ist, als Frau mit einer Frau und als Mann mit einem Mann zärtlich zu sein und zusammenzuleben.
Fast jedes Kind lernt die Begriffe "schwul" oder "lesbisch" zunächst als Schimpfworte kennen und ist neugierig, was eigentlich damit gemeint ist. Die Meinung der Eltern ist dabei sicher nicht unwesentlich. Selbst, wenn sie die Abwertungen von Homosexualität nicht aus der Welt schaffen, können sachliche, besser aber freundliche Hinweise auf die Normalität schwuler und lesbischer Beziehungen die Kinder zum Nachdenken bringen.
Wenn Kinder wissen, dass wenigstens ihre Eltern nicht über Homosexuelle witzeln oder abfällig reden, sind sie eher bereit, ihre eigene Unsicherheit mit der sexuellen Orientierung mitzuteilen.
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