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Die Anfänge des Coming-Out
Keine eindeutigen Zeichen
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Die Anfänge des Coming-Out
"Allmählich habe ich gemerkt, dass ich irgendwie anders war als die meisten Jungen in meiner Klasse. Nach ihren Erzählungen hatten sie schon unheimlich dufte Sachen mit Mädchen gemacht, und die Mehrheit hatte eine Freundin. Als ein Schulfreund mal bei mir zu Besuch war und er von irgend welchen Knuddeleien mit einem Mädchen erzählte, fühlte ich mich total beschissen Er redete von Mädchen, großen Busen und so, und ich lag neben ihm und hätte nichts lieber getan, als ihn anzufassen und ihn zu streicheln. Aber die Angst und Unsicherheit war natürlich zu groß, als dass ich es auch nur versucht hätte. In der nächsten Zeit war ich ziemlich down, weil ich mir nicht darüber klar war, was mit mir los ist." (männlich, 21 Jahre)
"Ich fühlte mich allein und anders als die anderen. So verschieden wie ein Kreis - in einer Welt von Quadraten! Ich passte einfach nirgendwo hinein. Keiner schien derartige Gefühle zu haben wie ich. Erst dachte ich, die Gefühle würden weggehen, wenn ich sie ignoriere. Aber sie wurden nur immer stärker." (weiblich, 18 Jahre)
Keine eindeutigen Zeichen
Es ist recht unterschiedlich, wann Kinder oder Jugendliche (und ihre Eltern) merken, dass sie sich ebenso oder mehr für das gleiche wie für das andere Geschlecht interessieren. Denn dafür gibt es kaum "eindeutige" Hinweise. Nicht-"rollentypisches" Verhalten jedenfalls hat wenig mit der sexuellen Orientierung zu tun. Kindliche "Sexualforschung" als von Neugier begleitete Entdeckungsreisen beim eigenen und anderen Geschlecht ist ohnehin sehr weit verbreitet. Das sind wichtige Erfahrungen zum selbstbestimmten Umgang mit der eigenen Sexualität.
Coming-Out
Coming-Out bezeichnet den gesamtem Prozess der Selbstwahrnehmung der sexuellen Orientierung und das "Herauskommen" oder "Heraustreten" aus dem (unfreiwilligen) Schweigen der Isolation und dem nur "inneren Geschehen".
Als inneres Coming-Out wird oft die erste Phase bezeichnet, in der das Schwul- oder Lesbischsein zunächst vertrauten Personen und später vielleicht auch einem weiteren Kreis von Menschen bekannt wird. Der Coming-Out-Prozeß beginnt häufig in der Pubertät und kann viele Jahre dauern, bei manchen sogar auch ein Leben lang. Manche Jugendliche, sogar Erwachsene, erleben nie ein Coming-Out in diesem Sinne; in jedem Fall sind der Prozess der Selbstannahme und der mutige Schritt nach außen stark von erschwerenden oder unterstützenden Reaktionen der Umgebung abhängig. "Coming-Out" ist eben etwas ganz anderes als der neuerdings oft gehörte Begriff des "Outing". Damit ist gemeint, dass jemand die sexuelle Orientierung eines Menschen oftmals gegen deren Willen "veröffentlicht". Besonders Prominente sollen dadurch genötigt werden, öffentlich zu ihrer sexuellen Orientierung zu stehen, damit es auch anderen Menschen leichter fällt, zu ihrer eigenen Orientierung zu stehen. Dieses ist aber ein schwerwiegender Eingriff in die Privatsphäre anderer Menschen und wird fast immer als Diffamierung erlebt.
Das gilt auch für die so genannte - vor allem von Jungen erfahrene - "homosexuelle Durchgangsphase" in der Verliebtheit und sexuelle Körperspiele sich vorwiegend auf das gleiche Geschlecht beziehen. Zweifel an den eigenen Gefühlen tauchen häufig erst auf, wenn bei den Freunden die homo sexuellen Wünsche und Schwärmereien nachlassen und Beziehungen zum anderen Geschlecht wichtiger werden, bei sich selbst aber die Gefühle bleiben oder sich sogar noch verstärken.
Die Intensität dieses Fremdheitsgefühls, die Unsicherheit oder eine manchmal daraus erwachsende Krise hängen stark davon ab, was die Jugendlichen über Homosexualität wissen und wie die Umgebung mit den unterschiedlichen Gefühlen umgeht.
"über mein späteres Leben sprach Mutter beharrlich so, als ob es nur aus Haushalt und Familie besteht. ,Wenn du erst verheiratet bist, Liebling', pflegte sie zu sagen, oder: ,Sobald du Kinder hast...' Heiraten und Familie gründen erschien mir wie der Teil einer durchgängig akzeptierten Norm, und ich dachte, wer bin ich, dass ich dieses Prinzip für mich ablehnen könnte? Das Verflixte war nur, dass ich einer Zukunft als Ehefrau, Mutter und Heimchen am Herd nicht die mindeste Sympathie entgegenbringen konnte." (weiblich, 21 Jahre)
"Ich ging zum Doktor, weil ich dachte, es sei biologisch irgendwas mit mir falsch. Sein Gesicht lief purpurrot an, als ich es ihm sagte. Er fragte mich, ob ich es meinen Eltern erzählt hätte. Ich sagte: Nein, hätte ich nicht. 'Dann lass es besser sein', meinte er, weil 'viele Jungen haben so eine Phase' und das legt sich mit der Zeit. Da brauchst du deine Eltern gar nicht erst zu beunruhigen'. Er war mehr um meine Eltern besorgt als um mich! Und ich fühlte mich kein bisschen besser, nachdem ich bei ihm gewesen war. Das Problem war, die Gefühle verschwanden nicht, die 'Phase' ging nicht vorbei. Ich fühlte mich derart deprimiert, dass ich schließlich einen meiner Lehrer ansprach. Er schien verwirrt und fragte: 'Spürst du denn überhaupt nichts gegenüber Mädchen?' Bevor ich antworten konnte, erzählte er mir, dass er mich einfach für zu schüchtern halte und ich deshalb wohl noch keine Freundin hätte. Im Grunde wollte ich doch bestimmt auch heiraten und eine Familie gründen und so. Würde ich mehr mit Mädchen ausgehen, dann würde meine Angst vor ihnen sicher verschwinden. Dabei hatte ich nichts davon gesagt, dass ich Angst vor Mädchen hätte. Ich hatte keine Angst vor Mädchen..." (männlich, 18 Jahre)
Solche Erfahrungen der Jugendlichen mit ihrer direkten Umgebung können leider auch heute noch allzu oft als typisch bezeichnet werden. Selten haben sie das Glück, auf andere Reaktionen zu treffen.







