Diversity München
 
Für Eltern
Bedürfnisse

Inhalt:
Vielfältige Bedürfnisse - aber ein vorgeschriebener Weg?
Das geht schon vorbei
Der "vorgeschriebene" Weg ist Heterosexualität
Wie viele Menschen verhalten sich hetero- oder homosexuell?
Natürlich männlich! - Natürlich weiblich!
Die sexuelle Neigung ist keine Frage der Erziehung
Rollenverhalten und sexuelle Orientierung sind nicht das Gleiche
Viele Menschen sind zu homosexuellen Verhalten fähig


Vielfältige Bedürfnisse - aber ein vorgeschriebener Weg?

Trotz aller Vielfalt gelebter Sexualität ist in unserer Gesellschaft ein "erwünschter Hauptweg" sexueller Entwicklung vorgezeichnet.

Kleinkinder spielen Vater und Mutter. Der Freundes- und Bekanntenkreis besteht aus heterosexuellen Paaren oder Singles, die - so hören es die Kleinen von ihren Eltern - keinen Partner abgekriegt haben oder nicht dauernd mit jemand anderem zusammenleben wollen (vielleicht aber auch versteckt schwul oder lesbisch sind). Im Werbe fernsehen küssen sich immer Männer und Frauen, weil ein Parfüm so anziehend wirkt. "Lisa liebt Jan", rufen sich die Kindergartenkinder nach und ärgern sich damit gegenseitig. Dass Jan auch Thorsten lieben könnte, kommt ihnen nicht in den Sinn. Und in der Schule entdecken viele, dass man jemanden noch mehr ärgern kann, wenn man ihm als Mädchen eine Mädchenliebschaft und als Junge eine Jungenliebschaft anhängt.


Das geht schon vorbei

Sexuelle Spielchen sind unter Jungen weit verbreitet. Sie werden von Erwachsenen unterbunden oder aber als Durchgangsphase hingenommen. "Das geht vorbei." Denn "natürlich" wird bald das andere Geschlecht spannender. Wer als Mädchen mit 16 noch keinen Freund hat, ist entweder unattraktiv, eine Emanze, vielleicht aber auch lesbisch und damit "out". Jungen brauchen Mädchenfreundschaften, um ihre Attraktivität, ihre Bedeutung zu beweisen.
In Schulbüchern geht es um bestimmter, sozusagen "intakte" oder neuerdings auch manchmal um Ein-Eltern-Familien. Nie aber leben darin zwei Frauen oder zwei Männer als Paar zusammen. Liebesromane handeln von Leidenschaft und Trennungsdramen heterosexueller Paare. Die Eltern werden unruhig, wenn der 17-jährige noch keine Freundin mit nach Hause bringt. Die Vertreter der Bausparkassen versprechen eine glückliche Zukunft im Eigenheim der Familie mit Kindern.


Der "vorgeschriebene" Weg ist Heterosexualität

Im Sexualkundeunterricht geht es "natürlich" fast nur um die biologischen Aspekte wie den heterosexuellen Geschlechtsverkehr und Schwangerschaftsverhütung. Homosexualität kommt (wenn überhaupt) nur als selbstverständlich zu achtende "Sonderform" vor.
Homosexualität oft negativ bewertet. Fast alle Signale, die Kinder und Jugendliche im Laufe ihrer Entwicklung empfangen, weisen zur heterosexuellen Liebe. Schwul- und Lesbischsein kommen praktisch nicht vor, oder werden (meist) negativ bewertet. Dies alles erzeugt einen (von außen kaum nachvollziehbaren) immensen Druck und führt oft dazu, dass sich als "abweichend" erlebt und rechtfertigen muss, wer zu seiner Neigung steht. Kein Wunder, dass das nur wenigen gelingt. Die meisten versuchen dem Druck zu entgehen und passen sich fast um jeden Preis an. Und dieser Preis kann sehr hoch sein: Unehrliche Freundschaften, Doppelleben, Vereinsamung, bis hin zu Selbstmordgedanken.


Wie viele Menschen verhalten sich hetero- oder homosexuell?

Untersuchungen zeigen, dass sich bis zum Alter von 15 Jahren 30% teilweise und 10% ausschließlich Homosexuell verhalten. Bis zum 25. Lebensjahr halbiert sich die Zahl etwa auf 17%. die sich gelegentlich, und etwa 5% die sich ausschließlich homosexuell verhalten.


Natürlich männlich! - Natürlich weiblich!

Einseitig zugeschriebene Eigenschaften verhindern, dass Jungen und Mädchen ihre ganze Bandbreite von Bedürfnissen und Verhaltensmöglichkeiten entfalten können und in ihren Geschlechtsrollen zufriedener und gesünder leben. Sie blockieren die Gefühle und Beziehungswünsche, das Verstehen, die ungezwungene lebendige Begegnung nicht nur zwischen Jungen und Mädchen, sondern auch der Jungen und Mädchen untereinander.
Dazu gehört, untereinander Gefühle zu zeigen, sich zärtlich zu begegnen, Körperkontakt zu genießen, sich einfühlsam für die Nöte des Freundes zu interessieren und wechselseitig Trost und Stärke zu geben.

Viele dieser für das persönliche Wohlbefinden wichtigen Verhaltensweisen erzeugen jedoch Unbehagen, wenn sie von Männern gezeigt werden. Das passt auch heute nicht ins Männerbild, wird eigentlich nur Frauen oder schwulen Männern zugestanden. Die Abwertung von Homosexuellen hat etwas mit dieser tief sitzenden Angst zu tun, als Mann (auch) passiv, aufnehmend, gefühlvoll, zärtlich zu sein. Damit kann man in unserer Gesellschaft (noch) keinen Blumentopf gewinnen. Jungen können sich der Missachtung ihrer Kameraden gewiss sein, wenn sie sich in dieser Weise "typisch weiblich" verhalten, und auch viele Mädchen haben damit ihre Schwierigkeiten.

Lesbischen Frauen wird dagegen zugeschrieben, dass sie "typisch männlich" auftreten: aktiv, cool, hart, verkopft, unerotisch und streng. Die Abwehr und Abwertung homosexueller Mädchen und Frauen hängen auch mit diesen als "unweiblich" geltenden Verhaltensweisen zusammen. Diese starre und enge Zuordnung zu abwertenden Vorurteilen bewirkt, dass Schwule, die sich eher im traditionellen Sinne "männlich" verhalten, und Lesben, die sich der weiblichen Rolle anpassen, als solche meist gar nicht, erkannt werden.

M. (20 Jahre), hat festgestellt, dass "Heteroleute" Lesben nur daran erkennen, dass sie 'so' aussehen, so männlich und vermeintlich cool. Wenn sie lange Haare, haben oder Stöckelschuhe, würden die Heteros sie nie mit Lesbischsein in Verbindung bringen... "Die Lesben, die sich so zeigen, also dieses Klischeebild, männlich, schroff Lederklamotten, schwarz und cool, das sind dann die Lesben die gesehen werden, als Lesben erkannt werden, das ist der Witz dabei - aber ich glaube nicht einmal, dass es die Mehrheit ist." Die gängigen Klischees von "schwul = grundsätzlich weiblich" und "lesbisch grundsätzlich männlich" sind also Phantasieprodukte, die viel mehr mit der Angst vor der Abweichung von gängigen Rollenmustern zu tun haben, als mit der Lebenswirklichkeit von homosexuell liebenden Menschen.


Die sexuelle Neigung ist keine Frage der Erziehung

Wie schon beschrieben, wird oft fälschlich das (andere) Rollenverhalten mit einer (anderen) sexuellen Orientierung wie Homosexualität gleichgesetzt. Aber das ist ein Missverständnis, das durch Vorurteile entsteht. Festzuhalten ist:

  • Mädchen, die intime Mädchenfreundschaften unterhalten und sich gegenüber Jungen behaupten sind deshalb noch nicht lesbisch.
  • Jungen, die auch zärtlich, weich und einfühlend sein können, die den liebevollen Körperkontakt mit anderen Jungen nicht scheuen und sich von ihren Freunden auch sinnlich angezogen fühlen, sind deshalb noch nicht schwul.


Wenn Mädchen etwas dazulernen, was bisher nur Jungen zugestanden wurde und Jungen (auch) "weibliche Eigenschaften" entwickeln, ist damit noch längst keine Homosexualität verbunden; wohl aber eine Bereicherung und Verbreiterung der Kontaktmöglichkeiten zwischen Menschen des gleichen und des anderen Geschlechts. Die Tatsache, dass manche Männer sich untereinander auch körperlich lieben und begehren und auch manche Frauen sich gegenseitig sexuell anziehend finden, ist bei dieser Betrachtungsweise nicht mehr so bedeutsam und vor allem kein Grund mehr für Diskriminierungen.


Rollenverhalten und sexuelle Orientierung sind nicht das Gleiche

Es ist ohnehin ein sehr eingeschränktes Denken, wenn nur darauf geachtet wird, was Menschen mit ihren Geschlechtsorganen machen, um sie in "normal" oder "abweichend" einzuteilen. Mit der Homosexualität ist es ähnlich wie mit der Linkshändigkeit. Man schreibt Rechtshändigkeit vor und erzeugt damit Probleme für Linkshänder. Manchmal wird versucht, diese "Abweichung" auszutreiben (was aber zu schweren psychischen Problemen führt). Oder man kann es ohne Wertung zulassen, ob linkshändig, rechtshändig oder wechselweise links- oder rechtshändig geschrieben wird.

Vielfältige Beziehungen zum gleichen Geschlecht möglich: Menschen sind grundsätzlich zu sehr vielfältigen Beziehungen zum gleichen Geschlecht in der Lage. Dazu gehören auch körperliche, im engen Sinne sexuelle Kontakte. Ein Großteil der Jugendlichen hat insbesondere in der Pubertät gelegentliche, phasenweise auch häufige homosexuelle Kontakte. Viele Erwachsene können sich an solche Erlebnisse erinnern, die von Neugierde, Lust, manchmal auch heftigen Verliebtheitsgefühlen begleitet waren. Auch später kann die Lust auf das gleiche Geschlecht wieder geweckt werden.

In Zwangsgemeinschaften von nur Männern oder nur Frauen wird oft Homosexualität praktiziert. Der Begriff "Not-Homosexualität" weist darauf hin, dass es sich dabei um eine Ausnahmesituation handelt.

Das gleiche gibt es aber auch umgekehrt. Sehr viele Menschen mit homosexueller Orientierung versuchen, heterosexuell zu leben. Viele heiraten sogar, um nicht in Versuchung zu kommen, ihrer sexuellen Neigung nachzugeben. In einem solchen (gar nicht so seltenen) Fall kann man von "Not-Heterosexualität" sprechen.

Es ist einsichtig, dass niemand auf diese Art und Weise mit sich und anderen glücklich werden kann. Die inneren und äußeren Konflikte führen zu Spannungen, die vielleicht durch besonders sachliche Beziehungen oder ständige Selbstdisziplinierung, oft aber auch durch Krankheit "bewältigt" werden.


Viele Menschen sind zu homosexuellen Verhalten fähig

Die Welt ist also nicht einfach aufzuteilen in Homo- und Heterosexuelle. Wir wissen, dass viele Menschen zu homosexuellem Verhalten fähig sind, auch wenn sie grundsätzlich eine heterosexuelle Orientierung haben, oder aber sie verhalten sich heterosexuell bei grundlegender homosexueller Orientierung. Und: Nicht jeder Mensch, der als Jugendlicher oder auch Erwachsener einen Menschen gleichen Geschlechts begehrt, muss auch dauerhaft homosexuell sein.


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Aktuelles:

Montag 30. Januar 2012 Vollversammlung am 12.02.2012 um 13:00Uhr

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Montag 30. Januar 2012 Mitgliederversammlung am 12.02.2012 um 12:00Uhr

Liebe gewählte Mitglieder, Liebe Mitglieder des Verwaltungsrates, Liebe Fördermitglieder von Gleich & Gleich - LesBiSchwule Jugendhilfe e.V., die ordentliche Mitgliederversammlung von Gleich & Gleich - LesBiSchwule...[mehr]

Montag 09. Januar 2012 JUNGS-Winterfahrt vom 24. - 26.02.2012

Willst Du ein schönes Wochenende mit den JUNGS verbringen? Dann bietet Dir die JUNGS-Winterfahrt nach Bayreuth vom 24. - 26.02.2012 die Gelegenheit dazu.

 

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