Die Welt wird bunter und zugleich komplizierter - sowohl in der "großen Politik" als auch im Kleinen des Alltagslebens. Vieles verändert sich rasend schnell, Gewohntes verliert an Bedeutung. Neues entsteht und macht neugierig, aber auch unsicher.
Die größere Vielfalt der Bedürfnisse, Interessen und Wünsche bringt unterschiedliche Lebenslagen und Lebensstile stärker zum Ausdruck. Das macht offener und erweitert das eigene Wohlbefinden. Das weckt aber zugleich Zweifel und Unwohlsein angesichts des Ungewohnten, das wir uns dabei gegenseitig zumuten. Die Welt ist vielfältig - auch unsern Möglichkeiten als Frau, als Mann, als sexueller Mensch.
Das gilt ganz besonders für Bereiche, die uns sehr nahe gehen, in die wir auch
gefühlsmäßig besonders eingebunden sind. Unser Beziehungsleben und unsere Sexualität gehören dazu.
Die meisten Menschen haben sich daran gewöhnt, dass in der Öffentlichkeit
Zärtlichkeiten ausgetauscht werden, dass der nackte Körper kein Tabu mehr ist, dass Jugendliche auch vor einer langfristigen Beziehung Sexualität leben Mädchen selbst formulieren, was sie in der Sexualität wünschen, manche ihr Leben als "Single" einrichten, Kinder unehelich zur Welt kommen und Ehen geschieden werden, wenn die Partner keine gemeinsame Basis für ein glückliches Zusammenleben mehr sehen.
Neuere Umfragen zeigen, dass immer mehr Eltern mit unterschiedlichen Lebens- und Liebesvorstellungen ihrer Kinder zurechtzukommen lernen; schließlich ist auch in der Erwachsenenwelt nichts mehr so "wie früher". Es werden vielfach neue Lebensformen und -möglichkeiten gesucht.
Manche Erwachsenen schätzen die Offenheit der Jugendlichen und vertrauen darauf, dass sie ihre Liebessehnsüchte - in welchen Formen auch immer - verwirklichen werden. Oft lernen beide Seiten voneinander, weil Jugendliche auch ihren Eltern Mut machen, ihr Beziehungsleben lebendiger zu gestalten.
Sobald das "Anderssein" jedoch eine bestimmte Grenze überschreitet, und der Sohn oder die Tochter "aus der (Geschlechts-)Rolle fällt", sind Verständnis und Toleranz schnell gefährdet. Das gilt für das Mädchen, das sich im Kindergarten mit anderen rauft oder später eine Lehre als Automechanikerin macht. Das gilt erst recht für den Jungen, der noch in der Schule im Beisein anderer weint, wenn ihn jemand verletzt hat, oder für jenen, der später Neue Lebensformen als Erzieher im Kindergarten arbeitet.
Noch problematischer wird es, wenn die Kinder Signale in Richtung gleichgeschlechtlicher Liebe aussenden oder sich gar herausstellt, dass der Sohn sich dauerhaft nur zu Jungen oder die Tochter sich nur zu Mädchen hingezogen fühlt.
Für gleichgeschlechtliche Lebensweisen gibt es vielleicht in den Kreisen der Stars, etwa der Sportler oder Künstler, gesellschaftlich geachtete Vorbilder, nicht aber im Lebensalltag der meisten Menschen. Das liegt daran, dass homosexuelle Menschen oft gar nicht als solche wahrgenommen und akzeptiert werden. Dass sich Jungen zu Jungen hingezogen fühlen und Mädchen zu Mädchen, wird oft als pubertäre Marotte geduldet, nicht aber als ernstzunehmende sexuelle Orientierung. Zu viel ist mit der "Normalität"
der Mann-Frau-Beziehung verbunden.
Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl: Wichtige Voraussetzungen für
seelische und körperliche Gesundheit.
Diese Seiten informieren über:
- die Aufgabe, zu einem sexuellen Selbstbewusstsein als Junge oder Mädchen zu gelangen
- die Besonderheiten homosexueller Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
- die Art und Weise, wie Eltern dies besser verstehen und damit umgehen lernen können.
Diese Seiten wollen das Gespräch anregen:
- zwischen Eltern und Kindern, um sich über "Liebes- und Lebensdinge" auszutauschen
- zwischen Eltern untereinander, im Freundeskreis oder in Gesprächsgruppen, weil das entlasten und weiterhelfen kann
- in Begegnungssituationen zwischen Erwachsenen, die Kinder und Jugendliche erziehen, damit unnötigen Konflikten vorgebeugt wird.
Dieser Ratgeber will keine "Rezepte" geben und schon gar keine Vorstellungen festlegen, wie Jungen und Mädchen, Männer und Frauen ihr Leben zu gestalten haben. Wohl aber können diese Seiten Tatsachen klären und Menschen darin stärken, den für sich und die Gemeinschaft angemessenen Weg zu finden.
Und dieser Ratgeber will helfen, dass Leiden vermindert wird, dass aus Unkenntnis nicht Diskriminierung erwächst. Wir möchten auch dazu beitragen, dass die seelische und körperliche Gesundheit von Kindern gestärkt wird - denn dafür sind Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl wichtige Voraussetzungen.
Und noch etwas: Wenn wir in diesem Ratgeber von "Eltern" schreiben, sind neben den leiblichen Eltern immer auch allein erziehende Mütter und Väter sowie Pflege- und Adoptiveltern gemeint!
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